Hausbesitzer nach USA verkauft

Verraten und verkauft: Wie Banken "schlechte" Kunden loswerden

"Die haben uns fertig gemacht", schimpft Elke Niederhaus und meint damit eine der größten deutschen Hypothekenbanken, die Eurohypo. Die Bank hatte nämlich ihr Baudarlehen an amerikanische Investoren verkauft. Der Grund: das Darlehen war ein sogenanntes "notleidendes Baudarlehen". Davon sprechen Fachleute, wenn die Kreditnehmer Probleme mit der Rückzahlung der Raten haben. Das war auchbeim Ehepaar Niederhaus so.

Zwangsverwaltung und Zwangsversteigerung

Für Jürgen und Elke Niederhaus aus Osnabrück war das Sylvesterfest 2004 der Beginn einer finanziellen Katastrophe. Kurz vorher hatten sie erfahren, dass die Eurohypo, Spezialist für Baudarlehen, für das Haus der Eheleute die Zwangsverwaltung und Zwangsversteigerung beantragt hatte.

Die Eheleute waren im Jahre 2002 mit einer Quartalsrate in Höhe von 3.600 Euro in Rückstand geraten. Zwar hatten sie seitdem das Darlehen wieder regelmäßig bedient, aber die säumige Rate nicht beglichen. Doch statt den noch ausstehenden Betrag bei der anstehenden Anschlussfinanzierung einfach mitzufinanzieren, kündigte die Eurohypo Mitte Dezember 2004 das Darlehen zum Jahresende. Die Eheleute sollten auf einen Schlag die Restschuld von 88.000 Euro begleichen. Weil die Eurohypo parallel auch die Einsetzung eines Zwangsverwalters und die Zwangsversteigerung beantragt hatte, bekamen die Eheleute auch bei anderen Banken keine Anschlussfinanzierung. Erst Ende November 2005, drei Tage vor dem Zwangsversteigerungstermin, konnten Elke und Jürgen Niederhaus durch einen teuren Privatkredit die Zwangsversteigerung abwenden.

Durch Gerichtskosten, Zwangsverwaltergebühren, höhere Zinsbelastungen und abgesprungene Käufer ist den Eheleuten ein Schaden von mehreren 10.000 Euro entstanden. Frau Niederhaus erlitt einen Nervenzusammenbruch, der 62-jährige Kaufmann Jürgen Niederhaus hat den Glauben an die Seriosität von Banken verloren, denn bei dem Versuch, sich aus der finanziellen Bredouille zu befreien, warf die Eurohypo den Eheleuten systematisch Knüppel zwischen die Beine. So sieht das jedenfalls Jürgen Niederhaus. Was er nicht verstehen kann: Schon der Antrag auf Zwangsversteigerung scheint ihm völlig überzogen. Ein Gutachten des Amtsgerichts Osnabrück hatte nämlich den Wert der Immobilie (eine Dachgeschosswohnung, ein Ladenlokal und vier Garagen, alle Objekte in eigenen Grundbüchern eingetragen) auf insgesamt 264.000 Euro taxiert. Die Restschuld bei der Eurohypo betrug aber nur 88.000 Euro. Dennoch beantragte die Eurohypo die Zwangsversteigerung für das gesamte Objekt. Somit konnten die Eheleute Niederhaus sich nicht mehr entschulden, zum Beispiel durch den Verkauf der Wohnung.

Kunden aussortiert - Bilanz aufpoliert

Dass die Eheleute wegen einer vergleichsweise geringen Schuld in ihrer Existenz bedroht wurden, ist kaum nachvollziehbar. Markt hat die Eurohypo um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort: Schweigen. Es ist aber zu vermuten, dass die Eurohypo ihre Bilanz optisch auffrisieren wollte. Deshalb hat sie 14.000 notleidende Baukredite, sogenannte "Non Performing Loans" (NPL), in einem Paket zusammengefasst und an eine amerikanische Firma, die Delphi LLC verkauft. Hinter den 14.000 Darlehen stehen etwa 14.000 Eigenheimfinanzier mit einem Kreditvolumen von 2,4 Milliarden Euro. Die Delphi, eine gemeinsame Tochter der Eurohypo und der Citibank, geht nun mit fragwürdigen Methoden gegen klamme Eigenheimfinanzierer vor.

Die Eurohypo - kein Einzelfall

Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young aus dem Jahre 2005 schätzt das Volumen notleidender Kredite auf zirka 250 Milliarden Euro in Deutschland. Mit der "Bereinigung" ihres Kredit-Portfolios von "faulen Krediten" ist nicht nur die Eurohypo beschäftigt. Auch andere große Baufinanzierer haben in den vergangenen Jahren große Pakete mit "Non Performing Loans" an amerikanische Investoren verkauft, zum Beispiel die Aareal Bank, AHBR-Bank, Dresdner Bank, Hypo Real Estate oder die HypoVereinsbank. Zu den Aufkäufern zählen so bekannte Namen wie Goldman Sachs, JP Morgan, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Lone Star.

Verbraucherschützer warnen

"Wer ein Baudarlehen hat, das an einen amerikanischen Investor verkauft wurde, muss sich warm anziehen" meint Arno Gottschalck von der Verbraucher-Zentrale Bremen. Selbst kleine Störungen im Kreditverlauf würden genutzt, um mit der großen Keule Zwangsversteigerung zu drohen. Was den Verbraucherschützer besonders wurmt: Im Vorfeld der Verkäufe an die Investoren wurden die meisten Eigenheimfinanzierer von ihrer Bank nicht gefragt, ob sie die Kundendaten an die potentiellen Käufer weitergeben dürfen. "Hier wird massiv das Bankgeheimnis verletzt" beklagt sich Verbraucherschützer Gottschalck.

Filmbeitrag dazu

zwangsversteigerung am 13.1.07 08:08

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